einatmen, ausatmen
Die Bielefeld-Düsseldorf-Köln-Connection. Ein Blogvorhaben von Tanja, Anke und Felix.

Wiederholungstäter
29. März 2008, 14:00 Uhr von Tani

Bei uns hinterm Haus, hinter unserem Garten, liegt eine große Wiese mit Bolzplatz. Hinter der Wiese verläuft ein kleiner Bach, die Beeke. Und links von der Wiese ist “der Busch”. Ein kleines aber feines Wäldchen zum Rumtollen, Verstecken, Klettern und Wohlfühlen.

Als ich ein Kind war, bin ich auf unzähligen Bäumen herumgeklettert oder habe mir meine Waldwohnung inmitten der Bäume eingerichtet. Mein Lieblingsbaum war ein stolzer Kätzchenbaum auf der rechten Seite der Wiese. Er war so toll gewachsen, dass man so ziemlich jede Ecke super erklettern konnte. Manche Verzweigungen dienten als bequeme Sitzmöglichkeiten. Schnell und einfach saß man im höchsten Punkt des Baumes. Ich habe Stunden, Tage, Wochen, wenn nicht sogar Monate, in diesem Baum verbracht. Allein. Mit Freunden. Zum Nachdenken. Zum Spielen.

Eines schönen Sommertages, mitten in den Ferien, machte ich mich auf, um in den Kletterbaum zu krackseln. Ich trat, mit meinem “den-darfst-du-komplett-einsauen-Jogginganzug” in die Wiese. Ein Bild des Schreckens bot sich mir. Er war weg. Einfach weg. Sie hatten ihn gefällt. Ringsherum, um die kläglichen Überreste des Baumes, hatte jemand ein abschreckendes rot-weißes Band gezäunt. “Betreten verboten!” brüllte es mir entgegen. Ich war sprachlos. Fassungslos. Und ich kann nicht leugnen, dass ich die ein oder andere Träne vergossen habe.

Den ersten Schock verkraftet, überlegte ich mir, wie lange es wohl dauern würde, bis der Baum so weit nachgewachsen sein würde, dass ich ihn wieder beklettern könnte. “Vielleicht, wenn ich 16 bin”, redete ich mir, hoffnungsvoll und naiv zugleich, ein. Ob ich dann aber überhaupt noch Lust hätte, auf Bäume zu klettern? Ich wusste es nicht, habe es mir aber dennoch ganz fest vorgenommen. “Du wirst sicher immer Lust haben, auf Bäume zu klettern!” sagte ich mir.

Die Jahre vergingen. Plötzlich war ich 16 und der Baum verdiente leider noch nicht die Bezeichnung “Baum”. Die kleinen Äste wären eh viel zu dünn zum Beklettern gewesen. Ja, der Kätzchenbaum und ich hatten fast die gleiche Größe. Inzwischen sind weitere elf Jahre vergangen und vor einigen Wochen habe ich festgestellt, dass es vielleicht bald möglich wäre, einen Versuch zu starten…

Tja, jetzt komme ich gerade aus der Wiese. Er ist weg. Wieder einmal. Diesmal ohne Absperrband. Wer tut sowas denn immer wieder? Ein mickriger Überrest von abgesägten Ästen und Zweigen ist alles, was noch zu sehen ist. Wie viele Jahre wird es wohl diesmal dauern, bis “mein” Kätzchenbaum in nahezu altem Glanze erstrahlt? Und wird er es überhaupt jemals wieder tun? Und hoffentlich ist er nicht unserem Osterfeuer zum Opfer gefallen…

Zurück nach Hause

Kommentare

Textile-Hilfe