einatmen, ausatmen
Die Bielefeld-Düsseldorf-Köln-Connection. Ein Blogvorhaben von Tanja, Anke und Felix.

Der Frühling ist da ...
12. März 2010, 15:46 Uhr von Tani

Ja, es ist wahr! Es ist soweit! Der Winter ist vorüber und der Frühling ist eingekehrt. Gerade in diesem Moment sitzt er mir direkt gegenüber. Der Frühling. Er kann viele Gestalten annehmen, der Frühling. Heute sehe ich ihn zum ersten Mal in diesem Jahr. Er kommt in Gestalt eines sich liebenden Pärchens.

Ich sitze auf der Uni-Galerie und arbeite an einer meiner Hausarbeiten. Nichts ahnend und hochkonzentriert. Doch dann das: In der Unschärfe meines linken Augenwinkels bewegt sich etwas. Ich schaue auf. Direkt am Nachbartisch sitzt ein Pärchen. Sie sitzen sich so gegenüber, dass sie ihre Beine unter seinen verstecken kann. Auf diese Weise können sie sich ganz nah sein, während sie sich Umarmen und während sie sich unendlich lieb haben. Auf der anderen Seite des 4er-Tisches sitzt ein weiteres Pärchen. Ihnen geht es ebenso. Vier Menschen, die sich lieben. Wenn das nicht der Frühling ist …

Nach einer Weile des innigen Liebkosens, Drückens, Streichelns und nochmal ganz feste und lange Umarmens – jedes Pärchen hat da so seine ganz speziellen Vorlieben – verschwindet das Pärchen, das weiter von mir entfernt sitzt und lässt die anderen zwei Turteltäubchen allein zurück. Allein? Naja, nicht ganz allein! Ich bin ja auch noch da … Wundervoll, wie lange sie sich in die Augen schauen können, die beiden. Schweigend lächelnd scheint jeder genau zu wissen, was der andere gerade denkt. Jetzt für sich können die zwei Süßen ganz unbekümmert noch enger aneinander rücken und ihre Küsse intensivieren. Zeit scheint nicht existent und das Pärchen scheint alles um sich herum vergessen zu haben. Auch mich. Anfangs starrten sie mich noch wechselseitig an, was mich irritierte. Fühlten sie sich beobachtet? Nein, das glaube ich nicht. Immerhin saß ich ja schon vorher hier. Sie hätten sich ja auch ein ruhigeres und abgeschiedeneres Plätzchen suchen können. Sie mögen, dass ich hier sitze! Das ist es, denke ich und muss beinahe laut lachen. Doch dann erkenne ich. Sie sind der Frühling. Sie wollen mich teilhaben lassen. Ihre Liebe an mich weitergeben, wie eine magnetische Kraft, die sich auf mich überträgt. So arbeitet der Frühling. Natürlich! Er will anstecken! Wie sonst sollen sich Frühlingsgefühle verbreiten? Welch eine Ehre …

Der Frühling … da ist er also. Stürmisch kam er daher, begleitet von zärtlichem Schmatzen und unendlich viel Liiiiiieeebe.

So sitze ich nun also dem Frühling lauschend über meiner Hausarbeit, höre WebRadio und habe somit die einmalige Möglichkeit die zu mir dringenden Schmatzgeräusche mit passenden schmauchig romantischen Radio Bielefeld Songs zu untermalen. Er säuselt ihr verliebte Worte ins Ohr und ich kann von seinen Lippen ablesen, dass er wiederholt “Ich liebe dich!” flüstert.

Ein wundervoller Tag!

Gerne würde ich auch noch weiter von diesem einmaligen Erlebnis berichten, aber das Männchen verlässt in dieser Minute das Weibchen und das Weibchen schleicht langsam von dannen.
Ich bleibe allein zurück. Auch das Gefühl von Frühling verschwindet und ein kühler Windzug gleitet sanft über das Uni-Galeriegeländer.

Ich verharre einen Moment, um gerade Erlebtes zu begreifen. Eine surreale Erfahrung unterwandert von Gänsehautschüben, gefolgt von Schweißausbrüchen und betretenem Fremdschämgrinsen. Zu nah, denke ich! Viel zu nah dran! Fühle mich, als hätte ich als Statist in einem Softporno agiert. Ein unfreiwilliger Voyeur, dessen Augenwinkel zu weit sind. Ja, ich bin froh, dass der Frühling erstmal wieder weg ist! Zu viele Zungen an zu vielen Orten, denke ich, und übergebe mich schließlich.

Danach geht’s mir besser! Einmal tief durchatmen und weiter im Text!

P.S.: Es tut mir leid, dass ich aus Platzgründen und aus Gründen der Zensur nur die Sparversion des Geschehenen veröffentlichen kann.

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