einatmen, ausatmen
Die Bielefeld-Düsseldorf-Köln-Connection. Ein Blogvorhaben von Tanja, Anke und Felix.

Abgefahren!
22. Januar 2010, 01:57 Uhr von Flix

Es war der 29. September 2009, vor 114 Tagen, als ich ihn das letzte Mal sah. Anders als in der Liebeserklärung vom März 2009, will ich jetzt gar nicht lange vorreden – es geht um mein Auto. Beziehungsweise mein ehemaliges Auto, welches jetzt entweder eine Bierdose ist (Autos werden ja recycled, nicht?), oder als Ersatzteillager für die letzten Saab Auslaufmodelle dient. Wahrscheinlich ist es eher die Bierdose. Das einzige was an dem Wagen ja noch halbwegs heil war, war das 40 Euro teure Radio und die All-Season-Reifen. Bei dem Gedanken daran bin ich immer noch ganz stolz auf ihn, da er wirklich mit ganz perfektem Timing, erst nach einer 800km Fahrt vor der Haustür den Geist aufgab. Gut durchgehalten, mein Lieber!

Seitdem sind nun Monate vergangen und mein anfänglicher Wunsch nach einem neuen, gebrauchten Auto hat erstaunlich schnell an Priorität verloren. Komisch eigentlich, da ich seit dem bestandenen Führerschein immer ein Auto zur Verfügung hatte (von 2003 bis 2009 dann den eigenen, jetzt toten, roten) und es auch ausgiebig genutzt habe. Toll die Erinnerungen an Ferien in Südfrankreich, spontane Wochenenden in Holland, oder einfach mal für zwei Stunden Landungsbrücken-Feeling, Freitag-nachts nach Hamburg und wieder zurück fahren. Natürlich seien auch die vielen Fahrten zum Lidl um die Ecke (hust hust) und zur Uni erwähnt. Und wo wir schonmal dabei sind, will ich auch noch den Kilometern Tribut zollen, die ich aus Versehen mit dem GPS-Gerät im “Fahrrad-Modus” umsonst in Köln verfahren habe. Ein haarsträubendes Erlebnis, möchte ich anmerken. Ich habe an meinem Verstand gezweifelt.

Wie dem auch sei, nach einem neuen Auto fühle ich mich überhaupt nicht. Dazu kommt, dass ich in der Großstadt auch gar keinen rational begründbaren Bedarf dafür habe. Rational deswegen, weil mir letztens etwas ganz zufällig klar geworden ist, was gar nicht so rational ist: Ein Auto ist weitaus mehr als nur Mittel zur Fortbewegung! Es ermöglicht uns darüber hinaus nämlich in einem subjektiv sicheren Aquarium mit anderen Menschen in gleicher Situation, subjektiv sicher zu interagieren. Klar, gibt es immer mal wieder ein böses Erwachen, wenn die Aquarien zusammen prallen – ansonsten sind wir aber am Steuer stets gleichzeitig mittendrin und nur dabei. Wir können singen, lachen, fluchen, weinen, telefonieren, essen, trinken und sex haben wie, wann und wie lange wir wollen (je nachdem). Zur selben Zeit bewegen wir uns aber trotzdem mit vielen anderen Leuten in unmittelbarer Nähe, in streng regulierter Umgebung und verfolgen ein übergeordnetes (Fahrt-)Ziel. Ein tolles Gefühl! Wie oft bin ich absichtlich den längeren Weg gefahren, wenn kein Zeitdruck war? Wie oft bin ich den schöneren Weg gefahren, ohne dabei aber anzuhalten? Wie oft bin ich im Auto sitzen geblieben, obwohl ich doch schon längst am Ziel angekommen war?

Vielleicht ist es gerade das, was aus so vielen Leuten “Auto-Freaks” macht, deren schlimmster Albtraum früher oder später eine leicht geschotterte Dorfstraße wird. Diese Leute haben es für sich persönlich geschafft das Auto von dem alleinigen Fortbewegungsmittel zu emanzipieren! Etwas, was ich mir (leider?) gar nicht für mich persönlich vorstellen kann. Ein Auto ohne regelmäßige Fahrtziele? Ein Auto ohne Kofferraum? Ein Auto ohne Türgriffe und mit Neonorangeblaugrünem Metallicpartikellack? Viel zu teuer, unpraktisch und auf Bling kann ich eh verzichten! Insgeheim wünschte ich es mir aber trotzdem (bis auf den Lack), denn Auto fahren an sich vermisse ich nicht – Auto nutzen aber schon.

:’)

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